Eine solche Feier gibt es nicht alle Tage: Die Jäger des Hegerings Meersburg hatten in diesem Jahr nach ihrer jährlichen Waldputzete einiges zu feiern. Zum bereits 40. Mal trafen sich die Waidmänner, um im Staatsjagdrevier Weingarten und ihren Revieren in Hagnau, Stetten, Ahausen, Baitenhausen und Ittendorf fast drei Stunden den Unrat zu entsorgen, der dort übers Jahr abgeladen oder achtlos weggeworfen wurde.
„Diese lange Serie dürfte am See so ziemlich einzigartig sein“, vermutete Hegeringleiter Oskar Müller und ehrte, wie im vergangenen Jahr angekündigt, die Männer der ersten Stunde, die gleichzeitig bei jeder Waldputzete tatkräftig mithalfen: Klaus Engstler (Immenstaad), August Lendle (Baitenhausen), Peter Urban, Karl-Heinz Böttcher (beide Hagnau), Josef Maise (Ittendorf) und Josef Illmensee (Uhldingen-Mühlhofen). „40 Jahre Waldputzete ist keine Kleinigkeit“, würdigte Müller an der Weinsteinhütte das intensive Engagement der Geehrten für Umwelt und Natur. Es sei deshalb besonders bemerkenswert, weil es nicht angenehm sei, den Müll wegzuräumen, den andere Menschen im Wald illegalerweise zurückließen, machte der Meersburger Waidmannschef deutlich.
Zuvor waren rund 40 Erwachsene und mehr als 20 Kinder und Jugendliche ausgeschwärmt und hatten Autoreifen, Berge von Hausmüll, Farben in Mengen, Flaschen, Metall, alte Möbelstücke und vieles mehr aus den Wäldern der Region zusammengetragen und abholbereit in einen Container geladen. Mit dieser regen Teilnahme sei das Rekordergebnis aus dem vergangenen Jahr noch einmal übertroffen worden, freute sich Oskar Müller. „Ich war vor allem begeistert von unseren Jüngsten, die durch solche Aktionen sicher eine besonders positive Einstellung zu Umwelt und Natur mitbekommen“, dankte der Hegeringleiter den Kindern, die zum Teil in Begleitung ihrer Eltern teilnahmen und tatkräftig mithalfen.
Keinen Rekord erzielten die Jäger indes mit der diesjährigen Müllmenge. „Zum Glück“, wie dies der stellvertretende Hegringleiter Hansjürgen Winz formulierte. Auf solche Rekorde könne man getrost verzichten. Es sei in diesem Jahr etwas weniger Müll zusammengekommen als in den Jahren zuvor, schätzte der die Lage ein. Diese Entwicklung könne sich gerne fortsetzen, so Winz.
Der Dank des Hegeringleiters galt allen Jägern und Mithelfern, die mit Traktor, Anhänger, Autos und Werkzeug die Waldputzaktion unterstützten; darüber hinaus stellvertretend Stettens Bürgermeister Siegmund Paul, der gemeinsam mit der Gemeinde Hagnau wechselnd die Gebühr für den Container übernehme. Dank der Unterstützung des zuständigen Försters, Martin Roth, der die Weinsteinhütte bereitgestellt hatte, konnte das Fest dort gefeiert werden.
Kreisjägermeister Hartmut Kohler vom Verein Badische Jäger Überlingen e. V. bezeichnete die 40. Waldputzete im Hagnauer und Stettener Wald als „einmaliges Jubiläum“. Überall werden im Frühjahr Säuberungsaktionen in Feld und Wald durchgeführt, aber wohl nirgends über einen derart lagen Zeitraum hinweg, so Kohler. Das müsse honoriert werden, sagte der Vorstand der Kreisjägervereinigung. Ebenso lobte er die Tatkraft der Kinder und Jugendlichen und wertete es als „hoffnungsvolles Zeichen“. Vielleicht werde der ein oder andere durch eine solche Erfahrung nicht nur Umweltschützer, sondern vielleicht auch mal ein Jäger, hoffte der Vereinsvorstand auf Nachwuchs in den eigenen Reihen.
Dass das Durchhaltevermögen über 40 Jahre nicht immer selbstverständlich war, darauf verwies Peter Urban als einer der „Gründerväter“ der hiesigen Waldputzete. „Wir hatten so gegen manche Schwierigkeit zu kämpfen“, erinnerte sich der langjährige Jäger aus Hagnau. Beispielsweise sei das Wetter nicht immer strahlend gewesen: „Wir haben uns aber nicht entmutigen lassen“. Und auch über anfängliche Diskussionen mit dem Forst, berichtete Urban. Man habe aber den damaligen Förster überzeugen können, dass die Jäger schon die Stellen kennen würden, an denen besonders viel Unrat vorhanden sei, damit Pflanzen und Tiere im Wald durch die Aktion nicht allzu sehr beeinträchtigt werden, sagte Urban. „Mir ist es jedenfalls nicht bange bei dem Nachwuchs, dass wir die 50 Jahre voll machen“, orakelte Urban.
MHS-bms
27. März 2010




